A-Österreichs Winzerinnen

Zum altbackenen Wertbild mancher Männer gehört, dass edel der Wein und süss das Mädel zu sein hat. So klingt es jedenfalls in Zecherrunden. Dagegen ist von vornherein auch nichts einzuwenden, denn töricht wäre, wer sich mager den Wein und sauer die Frauen wünscht. Aber wie das halt oft so ist, wenn einem die Romantik den Sinn fürs Reale verkitscht: Der Mann steht dem Thema Frau & Wein mit ziemlichem Unverständnis gegenüber. «Weiber» hört man’s näseln selbst von jenen, die geschmacklich nie über einen kleinen Müller-Thurgau hinausgekommen sind, «Weiber verstehen nichts von Wein.» Das ist ein ebenso pauschales wie fahrlässiges Urteil, denn Frauen arbeiten erfolgreich als Weinkellnerinnen, sie managen Weinclubs, leiten Weinhandlungen und führen PR-Agenturen mit dem Thema Wein als Schwerpunkt. Frauen belegen bei Weinwettbewerben zunehmend erste Plätze, sie reüssieren als Weinberaterinnen, schreiben über Wein und verwalten in der Gastronomie den Weinkeller. Besonders erfolgreich haben sich österreichische Frauen in der schwierigen Disziplin des Weinmachens etabliert. Sie sind Winzerinnen mit Hirn, Herz und Seele. Die Heidi Schröck aus dem burgenländischen Rust hat sich längst international als Weinkünstlerin einen Namen geschaffen. Auch Michaela Ehn, die gemeinsam mit ihrem Bruder das Familiengut in Langenlois leitet, lässt durch Gewächse von subtiler Klarheit aufhorchen. Ebenfalls in Langenlois ist Michaela Jöbstl zu Hause, die mit Grünem Veltliner und Weissburgunder für Furore sorgt und etliche Winzerkollegen bei Wettbewerben hinter sich lässt. Sie mache, sagt die lebensfrohe Winzerin, «viele vollbusige Weine», und tatsächlich: ihre Weine sind füllig und rund.

 

Auf Rotweine spezialisiert ist Rosi Schuster aus St. Margarethen im Burgen Birgit Eichinger-Allram , Strass-Kamptalland; ihr «C.M.B.», eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Blaufränkisch, hat internationales Format. Petra Unger hat kürzlich nach dem Tod des Vaters das Weingut übernommen: «Es hat lange gedauert, bis Frauen öffentlich Wein überhaupt geniessen durften – nun machen sie ihn.» Wohl wahr. Helma Müller-Grossmann aus Furth-Palt ist in diesem Sinne eine Weinmacherin wie Silvia Prieler aus Schützen und die auf Rotweine abonnierte Silvia Heinrich aus Deutschkreutz, beide Burgenland.

 

Vor einigen Jahren hat Birgit Eichinger-Allram in Strass ein Weingut aufgebaut; heute gehören ihre rassigen Gewächse, vor allem Weissweine, bereits zu den Gewinnern bei Wettbewerben. Birgit Braunstein aus dem burgenländischen Gols bringt ihre Philosophie als Winzer auf folgende Formel: «Wir Frauen müssen unsere Arbeit genauso professionell machen wie die Männer. Aber ich glaube, Frauen und Weinbau – das hat immer auch was mit Feingefühl zu tun.» Tatsächlich beurteilen Frauen die Weine oft feinfühliger als Männer. Ihr Geruchs- und Geschmackssinn ist vermutlich durch Kosmetik und Küche intim geschult. Hinzu kommt, dass sie sich dem Wein oft mit geradezu religiöser Inbrunst widmen und eine interessante Degustation einem Flirt vorziehen. Das ist zwar Pech für die Männer, doch gut für den Wein, von dem Männer seit alters her versucht haben, die Frauen fernzuhalten – wenn auch, wie Chroniken und andere Überlieferungen belegen, mit beschränktem Erfolg.